|
|
|
|
Eine rein persönliche Meinung
|
|
|
Im amerikanischen Wahlkampf ist vieles möglich, wie sich am 19. August in den Medien zeigt. Nachdem McCain und Obama bei einem Pastor aufgetreten sind und dort kleine Geschichten erzählt haben, machen nun die Wahlhelfer ein Spiel daraus, ein Spiel, das zeigt, was wirklich geschehen ist. So schreibt Michael Goldfarb (er gehört zur Wahlkampftruppe von McCain) gestern: “It may be typical of the pro-Obama Dungeons & Dragons crowd to disparage a fellow countryman's memory of war from the comfort of mom's basement, but most Americans...”
Ja, die AD&D-Spieler sind eben eine wichtige Wählergruppe, wahlentscheidend! Sollten wir Vielspieler oder - wie wir auch genannt werden - Spielefreaks - was in Amerika nicht unbedingt eine Schmeichelei ist - eine Meinung über die Präsidentschafts-Kandidaten haben, dann müssen wir wissen, was sie spielen, nicht was diese über Spiele sagen! Können wir uns überhaupt vorstellen mit ihnen an einem Tisch zu sitzen und KELTIS - das Spiel des Jahres 2008 - zu spielen? Oder Agricola, oder sogar Risiko? Aber beginnen wir mitten im Wahlkampf, wo ja gerne die Persönlichkeit für alle Bevölkerungsschichten geöffnet wird, warum nicht auch für uns Spieler? Lasst uns nachsehen in der vielfältigen amerikanischen Medienlandschaft, die nichts auslässt. Leider scheint es sich beim Spielen um die einzige Ausnahme in der Artikelauswahl zu handeln, ganz wenig gibt’s aber doch. Eher aus der tiefsten Vergangenheit. Vielleicht sieht der amerikanische Wähler das Spielverhalten seiner Kandidaten nicht als aussagekräftiges Merkmal an, ob sich dieser Kandidat als Präsident eignet. Ein gravierender Fehler, wie ich glaube! Trotzdem gibt es ein Spiel, das jeder Amerikaner kann und gerne spielt. Nein, ich meine nicht MONOPOLY, sondern ganz einfach Poker! Wie viele Filme würde es nicht geben mit den traurigen Helden, wenn es keine Pokerpartien geben würde! Da lobe ich mir den Film „Maverick“, der da eine komplette Kulturgeschichte schreibt. Aber wir sagen so einfach spielen, egal ob wie spielen oder spielen, die Amerikaner sind da genauer, gaming oder gambling. Also bei Poker heißt es gambling! Was schreibt nun The New Yorker vor drei Jahren: “McCain revealed that he is an avid gambler”. Aber leider kein Poker-Spieler, sondern Craps, das für uns etwas schwer verständliche Spiel. Da stehen viele Menschen um einen grünen Tisch herum und schauen, bis einer die Würfeln wirft und alle Geldscheine auf diesen Tisch werfen, um auf den Wurf wetten. Ich glaube, wir haben nicht einmal ein deutsches Wort für „Craps“ (obwohl es dieses Glückspiel seit 1813 gibt)? Nun, bei Obama liegen wir aber mit Poker richtig, denn CNN bereichtet über seine lang dauernden Poker-Spiele. Damit wurde die Eintönigkeit einer langen politischen Sitzungsperiode unterbrochen. Daher gehörten zu diesen Treffen Poker, Bier und Zigarren sozusagen zur Grundausstattung, und alle spielten miteinander, ob Republikaner, Demokraten oder Lobbyisten. Ob es da um die echten Millionen gegangen ist, die bei den Sitzungen besprochen wurden? Oder wurden nur so die Entscheidungen gefunden? Obama scheint Poker – sein heimliches Talent – in Springfield gelernt zu haben, dem Springfield? Nun aber zurück zu Spielen. Und da scheint auch Obama unsere Spiele schon mal gesehen zu haben, denn er spielt TABU. Im Mai berichtet ein Reporter von ABC-News, der in dem Flugzeug von Obama von einem Wahlkampfauftritt zum nächsten mitfliegen konnte, von einem spannenden Match an Bord des Flugzeuges. Um sich zu entspannen und die Zeit zu vertreiben, haben die mitreisenden Journalisten es sich zur Gewohnheit gemacht, Tabu zu spielen. Scheint für Journalisten die richtige Freizeitbeschäftigung zu sein: Wie sagt man etwas so spannend, ohne dass man wirklich zur Sache kommt, das kann man scheinbar bei Tabu trainieren. Manche der heutigen Schlagzeilen in den Medien lassen befürchten, dass alle Journalisten Tabu gespielt haben! Ein Spiel, wie aus dem Leben gegriffen, von Hasbro! Wirklich zu empfehlen. Als nun eines Tages Obama im Mai an Bord seines Flugzeuges wieder so eine Partei sah, fragte er nach den Regeln und stellte aus seinen Mitarbeitern ein Team zusammen, das gegen die Journalisten antrat. Was bedeutet: Die Regeln lassen sich in einem Satz erklären, was für ein Spiel! Und oh Wunder, der Präsidentschaftskandidat (oder seine Wahlkampfberater) waren noch besser als die Journalisten, zwei Spiele (25-17 und 20-18) wurden gespielt. Sein Kommentar: „And you guys are the wordsmiths?“. Nun, Tabu scheint zu bestätigen, dass Obama’s spielerische Fähigkeiten ihm für seinen Beruf nützen. Wozu braucht er da noch ein Spiel! Beide Kandidaten scheinen beim gaming, nicht gambling, schlecht abzuschneiden. Fast muss ich an die im September bevorstehenden Wahlen zum österreichischen Parlament denken: Haben wir eigentlich Kandidaten, die spielen? So müssen wir eben – so wie in allen anderen Ländern auch – unsere Kandidaten nach anderen Kriterien auswählen, Spielen steht immer an letzter Stelle. Wünschen darf man es sich doch: Den eigenen Parlaments-Abgeordneten als Spielebauftragten, der auch die Wünsche von uns Vielspielern berücksichtigt! Ferdinand am 20. August 2008 |
|