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SAMMELSURIUM: VIELFALT ODER CHAOS AUS WIEN - SEITE 1
Der
Wiener Künstler Harald Havas ist mir als Buch- und Spieleautoren des
Wiener Sammelsuriums aufgefallen, das Spiel ist ein echtes
österreichisches Spiel: Inhalt österreichisch, Spieleverlag Piatnik
österreichisch und Spieleagentur White Castle österreichisch. Bei so
viel Österreich wird man neugierig, was da rausgekommen ist. Wird da die
Vielfalt unserer Kultur dargestellt oder nur eine chaotische Abfolge von
Fragen geliefert? Zuviele Spiele mit entsprechendem Inhalt gibt es
bereits. Zahlt es sich aus, sich in das österreichische Sammelsurium zu
begeben?
Eigentlich ist es mehr als nur österreichisch, denn die Wiener, die
Schweizer, die Bayern und die Preußen, haben inzwischen ihr eigenes
Sammelsurium.
Daher habe ich dem Harald einige Fragen gestellt, denn ich wollte seine
Persönlichkeit näher kennen zu lernen und das Folgende ist dabei
herausgekommen.
Das Interview:
Wie wurdest Du ein Kreativer?
„Ich
würde sagen, ich hab einfach nicht aufgehört einer zu sein! Fast alle
Kinder und Jugendlichen erfinden Spiele oder Geschichten, malen,
basteln...
Ich hab das eben von Anfang an zum Teil meines Berufs, später zu meinem
ausschließlichen Beruf gemacht. Um genau zu sein: nach der Matura hab
ich Publizistik studiert und eine Schauspielschule besucht und habe
lange zwischen den Berufsfeldern Schauspieler und Journalist geschwankt.
Im Endeffekt hab ich mich dann für das Schreiben als die freiere, das
heißt unabhängigere Form entschieden.
Neben meinem freiberuflichen Journalismus war ich dann, wenn man das
werten will, immer auch parallel noch „kreativer“ oder „künstlerischer“
tätig. Meine erste kommerzielle von mit getextete Comic-Strip-Serie –
„Die Band“ („Sie sind jung, sie sind hoffnungsvoll, sie sind unfähig...
sie sind DIE BAND!“) hab ich auch gleich, Mitte der 80er Jahre, bei
meinem ersten regelmäßigeren journalistischen Job auf der damaligen
Jugendseite des „Kuriers“ untergebracht. Es folgten in den nächsten
Jahren alle mögliche Tätigkeiten als Autor und Gestalter: bei
Jugendmagazinen wie „Topic“ oder „Goldi“, wo ich auch regelmäßig Spiele
für das Heft erfand; als Ausstellungsgestalter und Buchautor (beides für
sowohl „Comic Welten“, das war eine Schau und ein dickes Buch über die
Geschichte der Comics, als auch für den Retro-Boom „Wickie, Slime und
Paiper“); als Erfinder und Autor von über einem Dutzend Comic-Serien für
Print und Web (etwa „Fred“, die Abenteuer eines sexuell frustrierten
Mit-Dreißigers für die Website des ORF von 2000-2005); als Autor und
Produzent einer Bühnenshow zu „Wicḱie,
Slime und Paiper“; als Verfasser mehrerer IQ-Trainings-Bücher; als
Drehbuchautor (z.B.: für „Helmi“!); als Gagautor (für zwei
ATV-Comedy-Sendungen) etc.
Abgesehen von einem längeren Abstecher in Richtung Kabarett-Management
(für den genialen O.Lendl), war ich eigentlich immer kreativer Schreiber
und bin das seit ein paar Jahren exklusiv. Für Bücher, Comics, Spiele,
Kinder- und Jugendmagazine und Drehbücher.“
Ist Wien (Österreich) ein Platz für Kreative wie Dich?
„Ja und
nein. Einerseits herrscht hier immer noch ein sehr kunst- und
kulturfreundliches Klima, und man ist als Kreativer durchaus hoch
angesehen. Andererseits ist das Land eben sehr klein, die Medien, die
Verlage, die Auflagen, die Rezeption und das Publikum naturgemäß
beschränkt. Daher ist es schwerer, als etwa in Deutschland, hier von
kreativer Arbeit zu leben.
Nehmen wir als Beispiel meine Bücher: das „Wiener Sammelsurium“ war mit
5000 verkauften Stück in den ersten drei Monaten ein Bestseller, meine
anderen Bücher wie „Das Habsburger Sammelsurium“, „Die Größten Gefahren
Österreichs – und wie man sie übersteht“, „Martha Pfahl am Marterpfahl -
Die schlechtesten Witze und witzigsten Sprachspielereien“, „Witzige
Worte über Österreichs Orte - Schüttelreime für mehr als 700 Dörfer und
Städte“ (teilweise mit Nicole Kolisch) haben sich für Österreich auch
anständig verkauft, was aber so viel heißt, dass man nach dem Vorschuss
über ein Jahr warten muss, bis dann langsam auch mal Tantiemen aus dem
Verkauf eintrudeln. In Deutschland mit deutschen Themen bei einem
deutschen Verlag wäre - bei gleichem Erfolg - alles um den Faktor 10
lukrativer.“
Was bringt Dich zum Spielen?
„Intelligente Konzepte, originelle oder humorvolle Umsetzungen. Das gilt
sowohl für Brettspiele - hier hab ich vor meiner zweifachen Vaterschaft
etwa gerne öfter „Die Siedler von Catan“ und „Sagaland“ gespielt, die
mir beide von der Idee her sehr gut gefallen haben; auch für Partyspiele
- hier steh ich etwa sehr auf „Tabu“, weil das eine echte kreative und
witzige Herausforderung ist; und auch für Videogames: Ego-Shooter finde
ich in dem Bereich z.B.: sterbenslangweilig, ebenso "Irgendwas-Racing-Zweitausendetliches"
oder Sportsimulationen. Also, in der Spielhalle 10 Minuten lang gerne,
aber dann... fad. Ironisch-witzige Adventures aber wie „Super-Mario 64“
oder „Banjo-Kazooie“, die neben Geschick auch Kreativität fordern und
einfach witzig und selbstironisch sind, hab ich dagegen bis zum Ende
durchgespielt! Oder auch „Myst“, das damals wirklich revolutionär war –
und es eigentlich bis heute ist.
Als Kind und Jugendlicher hab ich mit Freunden stundenlang DKT, Risiko
(als man noch erobern statt „befreien“ durfte!), „1000 km“ und das schön
gestaltete und sehr kreative Detektivspiel „Wer ist wer“ gespielt.
Letzteres hab ich nicht mehr und weine ihm schon etwas nach...“
Wie gestaltet sich die Arbeit um ein Spiel zu entwickeln?
„Am
Anfang steht immer die Idee. Das kann einen inhaltlich Idee sein, wie
bei den Sammelsurium-Spielen, wo ich mir dachte, he, ein
ironisch-augenzwinkerndes Wissensbuch könnte doch auch ein interessantes
ironisch-augenzwinkerndes Wissensspiel abgeben! Oder die Idee ist
funktionell, wie damals als ich eine Stunde lang allein an einem Tisch
sitzend aufs Gehen warten musste: auf dem Tisch lag eine Art Teppich mit
interessantem Muster, und ich, um mich zu beschäftigen, versuchte ein
strategisches Spiel mit Münzen darauf zu erfinden. Das Ergebnis heißt „Biribi“
und ist eine der Eintrittskarten im Spielemuseum...
Nach der Idee und dem Rohkonzept folgen dann immer die verschieden
langen Phasen des Bastelns, Tüftelns, Ausprobierens, Probespielens...
bis man mit dem Ergebnis optisch wie inhaltlich zufrieden ist, und auch
die Regel umfassend - und verständlich! - formuliert ist.“
Was sind derzeit Deine Spiele?
„Selber
spiele ich derzeit nur Spiele mit meinen beiden kleinen Töchtern (2 und
4). Die eine kann schon recht gut UNO, Jenga und Vier gewinnt, aber
sonst muss ich noch etwas Geduld haben.
Was meine eigenen Spiele betrifft sind gerade zwei weitere
„Sammelsurien“ (mit Ronald Hofstätter) erschienen. Das „Bayrische
Sammelsurium“ mit Fragen zu allen Landkreisen, also auch zu Franken und
Schwaben. Und das „Berliner Sammelsurium“ mit Fragen zu Ost und West,
Historischem und Aktuellem. Beide Spiele natürlich mit den üblichen
absurden und erstaunlichen Wissensfragen, den Schätz- und Kreativteilen
sowie den ausführlichen Erläuterungen zu den Antworten, welche die „Sammelsurium“-Serie
aus der Masse der reinen Quiz-Spiele herausheben.
Alle beide natürlich 100% kompatibel mit den schon erschienenen
„Wiener“, „Österreichischen“ und „Schweizer Sammelsurien“, so dass man
jedes Spiel als „Booster Pack“ für jedes andere verwenden kann! Obwohl
das Schweizer Spiel ist für Nicht-Schweizer leider unspielbar, fürchte
ich...
Im September erscheint dann die Brettspieladaption der ORF-Comedy-Show
"Was gibt es Neues?", die neben Quizfragen zu teilweise völlig
hirnrissigen Geschehnissen der Weltgeschichte auch aktive und kreative
Elemente ähnlich der Sammelsurium-Reihe enthält. Außerdem sind wir sehr
nahe an der Original-TV-Show, das heißt man darf z.B.: auch mit „Goodies“
werfen – und jeder darf einmal Oliver Baier sein...
Ach ja, und das Spiel wird ab 18 Jahren empfohlen!“
Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Ronald Hofstätter und wie gestaltet
sich die eigentlich?
„Von
ein paar Jahren hatte Ronald eine Idee für ein Comic-Projekt und nahm
mit der Wiener Comic-Szene Kontakt auf. Ich hab ihn da ein wenig beraten
und bin dafür mit einigen Spiel-Konzepten an ihn herangetreten, die ich
teilweise in der Schublade hatte und teilweise für Kindermagazine wie
eben "Goldi" für die damalige CA realisiert hatte. Er hat dann ein paar
Sachen agenturmäßig vertreten, und als ich die Idee zu einem "Wiener
Sammelsurium"-Spiel hatte, war er der ideale Ansprechpartner und
erfahrene Partner für das Projekt. Wobei ich bei unseren gemeinsamen
Spielen meist für die Texte (etwa der Fragen und
Nonsens-Falsch-Antworten) und die Roh-Idee zuständig bin, und er mehr
für die Finessen der Spielregeln und Fragen der konkreten Umsetzung.“
Welche weiteren Spiele sind geplant?
„Vielleicht wird es noch weitere Sammelsurien geben, das müssen wir noch
verhandeln. Ideen gäbe es, auch abseits von Regionalthemen, durchaus
einige. Ansonsten hab ich noch ein Konzept für ein (Oster-)Hasenlaufspiel
für kleine Kinder in Arbeit. Auch eine Art Solitär-Spiel schwebt mir vor
- aber da ist der Markt durch Online-Gratis-Spielchen nachhaltig
ruiniert, fürchte ich...“
Welche weiteren kreativen Überraschungen (neben den Spielen) können wir
erwarten?
„Nun,
im Herbst erscheint mein nächstes Buch, das "Austropop-Sammelsurium",
bei Ueberreuter – mit witzigem, originellem und unnötigem Wissen von
Mendt bis Stürmer, Ambros bis EAV und Krankl bis Orsolics. Wobei auch
hier eine spätere Spielumsetzung nicht ausgeschlossen ist.
Ein paar Film- und Zeichentrickfilm-Projekte nach meinen Drehbüchern
bzw. Ideen sind gerade in Planung oder Ausarbeitung, aber ganz fix ist
noch nix. Es gibt Ideen für weitere Bücher, und eventuell greif ich auch
mal wieder zum Zeichenstift und gestalte eine neue Comic-Strip-Serie -
das vielleicht sogar schon eher bald...
Am besten schauen Interessierte ab und zu auf meiner Homepage (www.havas.at)
vorbei, da sind dann fast immer die aktuellsten Sachen zu finden.“
Interview-Ende
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