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Mit Augenzwinkern

Ich durfte Rudi Hoffman nie kennen lernen, dennoch fehlte er mir bereits, als ich vor zirka zehn Jahren damit begann, mich intensiver mit Brettspielen zu beschäftigen. Das hat sich seither nicht geändert. Die Spielelandschaft mit all ihren wunderbaren Themen und Mechanismen, mittelalterlichen Burgen und fantastischen Zauberwelten, Drachen, Burgfräulein, Siedlern, Händlern, Rittern, Bauern, Piraten, Hexen und Zauberern hatte scheinbar wenig Platz für ein Augenzwinkern. Dabei zwinkerte Rudi Hoffmann doch so gerne. Die für ihn typischen Figuren, die aus einem schnellen Strich geboren wurden, waren bereits damals großartig unzeitgemäß und eben auch nicht mehr in Spielen zu finden. Leider. Der Computer – ich sitze selbst jeden Tag davor – hatte Einzug gehalten und präsentierte saubere digitale Bilderwelten. Zu klar und zu eindeutig für Mehrdeutigkeiten. Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass das Medium Spiel auch Aussagen transportieren kann und soll: Unterschwellig, offenkundig, hinterfotzig und genau: augenzwinkernd. Rudi Hoffmanns Spiele und die Art wie er sie illustrierte, beweisen das sehr überzeugend immer wieder auf Neue. Ein kleines Detail hier, ein verschmitzter Blick da. Und immer der schnelle Strich! Ja, der sieht schnell aus, wird auch schnell gezogen, aber er ist so unglaublich schwer zu treffen. Es ist entweder großes Talent, das so etwas möglich macht oder ein gute Ausbildung. Ich weiß, dass Rudi Hoffman die Ausbildung hatte: Er studierte in Karlsruhe an der Kunstakademie und machte seinen Abschluss als „Figürlicher Grafiker“. Nur hatte Rudi Hoffmann eben auch das Talent und die Leidenschaft, um seinen eigenen unverwechselbaren Stil zu schaffen. Die Ironie, die in seinen Gestaltungen, ob Illustrationen oder Keramiken, mitschwingt, war nie plump. Es war und ist diese feine Note, diese Zurückhaltung, ja dieses Augenzwinkern, das niemals aufgesetzt wirkte oder zu dominant wurde. Rudi Hoffmann hatte eine ehrlich, persönliche Art Spiele zu entwerfen und zu gestalten. Es ist immer ein Segen, wenn das Herz des Spieleautors und das des Spieleillustrators in derselben Brust schlagen. Wenn ich es mir recht überlege, gibt es heute überhaupt viel zu wenig „Rudi Hoffmann“ im Spiel – das wird mir klar, wenn ich beobachte, wie kläglich die Versuche meist scheitern, Humor ins Spiel zu bringen. Entweder man hat Humor oder eben nicht. Und scheinbar haben viel zu wenige Leute Humor, nehmen das Spiel und das Spielen viel zu ernst. Das kann ein schwerer Fehler sein, denn bei einem Spiel von Rudi Hoffman wird ein Verbissener kaum Freude empfinden. Rudi Hoffmann hätte vermutlich darüber geschmunzelt. Natürlich konnte er auch anders, wie mit dem „Spiel der Türme“ durchaus eindrucksvoll bewiesen, aber ob ihm das Anders mehr Spaß machte, als das Spaßige, bezweifle ich.
So wird mir Rudi Hoffman weiterhin fehlen. Aber ich werde versuchen, das nächste Spiel nicht so ernst zu nehmen. Sollte es mich gar zu hart treffen, weil ein Mitspieler die Sache eben noch ernster nimmt als ich und eben noch verzwickter dreinschaut als ich, dann werde ich vielleicht sogar einmal versuchen mit dem Auge zu zwinkern.

Klemens Franz, Grafiker